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(C) Peggy und Marco Lachmann-Anke

Gute Bürger, schlechte Bürger? Dieser Tage erreichte uns der Bericht einer Frau, die bei uns als Mitglied aktiv ist und die sich – nach einem beruflichen Gespräch mit einer Kundin – die Frage stellt, ob inzwischen zwischen guten und schlechten Bürgern unterschieden wird. Lassen wir sie einfach selbst erzählen …

Mit Kundin ins Gespräch gekommen

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einer neuen Kundin in Frankenthal. Wir haben uns im ihrem Büro getroffen und da ich sie noch nicht kannte, hatte ich vorsichtshalber eine Maske dabei. Wäre ihr unwohl gewesen, wenn ich ihr ohne Maske gegenüber sitze, hätte ich natürlich die Maske aufgesetzt. Ein kurzer Moment des Abschätzens, dann kam von ihr, ohne Maske wäre in Ordnung.

Natürlich hatten wir damit ein Thema als Einstieg ins Gespräch. Mein Eindruck von der Kundin war, dass sie von ihrem Auftreten und Denken her ein Anhänger von rot-grün gewesen sein dürfte. Aber obwohl rot-grün jetzt an der Regierung ist, war sie völlig unzufrieden mit der Politik – und zwar wegen der total überzogenen Corona-Maßnahmen. Wir waren uns einig, dass es richtig war, am Anfang der Pandemie vorsichtig zu sein, da es überhaupt keine Erfahrungswerte gab. Wir waren uns einig, dass auch Wissenschaftler am Anfang noch nicht genau wussten, wie der Virus „tickt“ und welche Maßnahmen in welcher Dosierung die passenden waren und dass es daher am Anfang durchaus strenge Regeln geben durfte.

Aber nachdem im Jahr 2021 die Impfung zur Verfügung stand, nachdem jeder, der wollte, sich impfen lassen konnte, nachdem dann Omikron kam und eher leichte Verläufe brachte, war irgendwann der Punkt erreicht, dass die Bürger sich vom Staat drangsaliert fühlten – und dass sie dagegen protestierten, indem sie einfach so abends durch die Stadt spazierten.

Die Drangsalierung und Dämonisierung protestierender Bürger

Und der Staat? Anstatt in sich zu gehen und nachzudenken, kam die Politik auf die Idee, mit voller Härte reagieren zu müssen.

Zum Vergleich: Letztes Jahr im Sommer gab es Demos und Umzüge wie zum Beispiel für den Klimaschutz und für LGBQT-Anliegen, da waren tausende von Teilnehmern auf einer Demo, häufig ohne Maske, häufig sehr dicht beeinander – und die Politik hat keinen Piep dazu gesagt, die Polizei hat nicht eingegriffen.

Sobald jedoch eine Demo angemeldet wurde, um gegen die strengen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren, kam es zu Eingriffen und auch Übergriffen der Polizei, prognostizierten Politiker im Katastrophen-Modus exorbitant ansteigende Corona-Zahlen wegen dieser Demo, berichteten die Medien voller Abscheu von diesen Bürgern – ja, auch die Medien haben hier eine unrühmliche Rolle gespielt und die Protestierenden dämonisiert und sie allesamt und ganz pauschal zu Aluhüten und Schwurblern in eine Ecke gestellt. Auf vielen Bildern waren jedoch gar keine Aluhüte zu sehen, sondern ganz normale Bürger, von Teenagern und Familien mit Kindern bis hin zu Senioren. Natürlich ist glaubhaft, dass ein Anteil von meinetwegen zehn Prozent aus einer dubioseren gesellschaftlichen Ecke gekommen ist, aber das ist doch nur ein geringer Teil gewesen und nicht die Mehrheit. Die Medien haben es hingegen so dargestellt, als ob diese wenigen Teilnehmer in der Mehrheit gewesen wären.

Dämonisierung auch in Grünstadt (und anderswo in der Pfalz)

Da ich selbst aber und auch niemand aus meinem Umfeld auf einer der großen Demos war, kannte ich das alles nur über die verschiedenen Kanäle. Nicht weil ich Angst hätte, mich auf einer solchen Demo zu zeigen, es liegt eher daran, dass ich beruflich stark eingespannt bin und in einem kleinen pfälzischen Dorf lebe, wo man den nächsten Bürger-Spaziergang nicht gleich ums Eck findet.

Das Gespräch mit der Kundin war für mich deshalb so interessant, weil sie aus Grünstadt kommt und dort mehrmals spazieren gegangen ist. So hatte ich eine Quelle aus erster Hand, die mir erzählt hat, wie empört sie ist über Medien und Politik, weil sie selbst an den Spaziergängen teilgenommen hat und weil sie direkt miterlebt hat, dass auf den Spaziergängen ganz normale und honorige Bürger unterwegs waren, auch lokal bekanntere Menschen wie Rechtsanwälte oder Steuerberater oder Leute, die aus Arztpraxen oder Apotheken kamen, also alles in allem die gutbürgerliche Mitte der Gesellschaft.

Und was stand am nächsten Tag in der Lokal-/Regionalpresse, sprich in der Rheinpfalz? Diese berichtete im Brustton der Empörung, dieser Spaziergang sei quasi initiiert oder dominiert gewesen von Corona-Leugnern (das ist ja ein beliebtes Schimpfwort geworden, dabei leugnen die meisten Corona doch gar nicht) und Leuten aus der Verschwörungsecke oder so. Hier wurde in der Presse eine gezielte Dämonisierung der Spaziergänger betrieben, nur um die etwas verzagteren Bürger zu warnen, sich ja nicht den Protesten anzuschließen.

In unserem Land scheint es jetzt so zu sein, dass „gute“ Bürger brav zu Hause bleiben und treu und redlich alles glauben, was ihnen die Regierung über die regierungsfreundliche Presse so mitteilen lässt. Und als scharfen Gegensatz zu diesen „guten“ Bürgern gibt es jetzt „schlechte“ Bürger, die das in Frage stellen, was die Regierung so von sich gibt, die anzweifeln, was die offiziellen Medienkanäle propagandistisch raushauen.

Auch wenn ich selbst bei keinem Spaziergang dabei war, so gehört meine Sympathie doch denjenigen, die der offiziellen Regierungslinie misstrauen und das durchs Spazierengehen zeigen.

Anmerkung: dieser Text ist ungegendert geschrieben, das Wort „Bürger“ zum Beispiel steht als so genanntes generisches Maskulinum sowohl für Männer und Frauen als auch für die 99 anderen Geschlechter und es umfasst auch die Kinder und Jugendlichen des Landes, die (wie die meisten anderen Menschen in diesem Land) noch keine Erfahrung haben mit den vielen Geschlechtern – ein Umstand, der ja bei der Genderisierung der Sprache leicht vergessen wird …

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