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Was heißt liberal-konservativ und widerspricht sich das nicht?

Im Wahlkampf sind wir einmal gefragt worden, ob es nicht ein Widerspruch wäre, gleichzeitig für das Liberale und für das Konservative einzutreten.

Nein, das ist es nicht, aber um es zu erklären, müssen wir einen Blick zurück in die Geschichte werfen (aus Platzgründen jedoch nur in einer komprimierten Kurzform).

Die Welt im Mittelalter und danach

Aus dem Geschichtsunterricht in der Schule weiß der eine oder andere sicherlich noch, dass es im Mittelalter zwei Mächte gab, die Kirche und den König. Mit der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert kam die Wiederentdeckung der griechischen und römischen Antike. Und daraus entwickelte sich der Humanismus mit seiner Besinnung auf den Menschen.

Der Mensch und seine individuellen Entwicklungsmöglichkeiten kam ins Licht dieses neuen, humanistischen Menschenbilds: zählte im Mittelalter vor allem das Göttliche, wurde nun der Mensch deutlicher ins Zentrum des Bewusstseins gerückt.

Das Zeitalter der Aufklärung

Aus der Renaissance entwickelte sich das Zeitalter der Aufklärung: der Weg des Menschen aus dem Glauben und Aberglauben hin zu Vernunft, Bildung und Wissenschaft, zu einem kulturellen, technischen und auch politischen Fortschritt. Aus dem Untertanen wurde ein Bürger und dieser wurde als freier Mensch verstanden, der eigenständig denken kann und nur an Verfassung und Recht gebunden ist. Staatstheoretiker entwickelten das liberale Konzept der Menschen- und Bürgerrechte, mit dem Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum und dem Schutz vor einem despotischen Staat. Allerdings wichen die Aufklärer in ihren Konzepten teilweise voneinander ab, in verschiedenen Ländern wie England, Frankreich und Deutschland bildeten sich eigene Ansätze (eine gute Übersicht gibt es bei Wikipedia hier), die im durchaus fruchtbaren Widerstreit standen.

Liberalismus mit Freiheit und Bürgerrechten

Aus dem Gedanken der Freiheit des einzelnen Menschen gegenüber dem Staat entwickelte sich der Liberalismus. Der Staat soll seine Kernaufgaben erfüllen und für Freiheit, Eigentum, Bildung, Infrastruktur sorgen, gleichzeitig soll er seinen Bürgern so viel Mündigkeit und Selbstverantwortung zugestehen, ihre Entscheidungen selbst zu treffen, solange die Gesellschaft nicht Schaden nimmt. Damit der Staat nicht zu übergriffig oder gar willkürlich wird, soll die Macht auf verschiedenen Säulen verteilt sein (die so genannte Gewaltenteilung, die in Deutschland inzwischen aber ziemlich ausgehöhlt ist, jüngstes Beispiel das Verhältnis des Bundesverfassungsgerichts zur Bundesregierung).

Auch die Wirtschaft sollte liberal gestaltet sein, Eigentum geschützt werden, wirtschaftliche Tätigkeit möglichst wenig behindert und der Wettbewerb gefördert werden, da dem Liberalismus zufolge der wirtschaftliche Erfolg der Einzelnen gleichzeitig zu einer Vermehrung des Gemeinwohls führt.

Konservatismus für das Mäßigende

In einigen Bereichen wurde der Liberalismus so weit fortgeführt, dass der radikale Liberalismus geradezu revolutionär wurde und am Ende zum Sozialismus führte. Das ging einigen Denkern wiederum zu weit und so entwickelte sich als Gegenströmung zum radikalen Liberalismus der Konservatismus. Um es zu betonen: nicht als Gegenströmung zum moderaten Liberalismus, sondern zum radikalen Liberalismus.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass die rundum optimistische Position des Liberalismus aus Sicht des Konservatismus einer kleinen Korrektur bedurfte – schließlich führt die menschliche Vernunft nicht immer zu weisen Entscheidungen, sondern manchmal entscheidet sich der Mensch auch für den falschen Weg. Daher bedarf es noch einer strukturierenden Ordnung, um ein gut funktionierendes Gemeinwesen zu haben. Nicht alles, was neu und revolutionär ist, muss gut sein, daher gilt dem Konservatismus das Bewahren des Bewährten und das behutsame Ändern als der richtige Weg.

Kurz und gut: Konservatismus sieht sich nicht unbedingt als Gegner des Fortschritts, solange dieser Fortschritt vernünftigen und maßvollen Bahnen folgt.

Liberal-konservative Reformer

Und genau für diese vernünftige und maßvolle Bahnen steht die LKR: unser Motto lautet „Freiheit. Werte. Zukunft!“ und steht für die kernliberale Grundforderung der Freiheit wie für konservative Positionen und Werte und schließlich für das, was uns und unsere Kinder betrifft: unsere Zukunft!

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