Aus den Chroniken übers Klima

In den letzten Jahren kam bei jedem ungewöhnlichen Wettereignis in Deutschland das gleiche Szenario: „Noch nie“ hätte es hier eine so extreme Hitze gegeben, das wäre jetzt der Beweis für den menschengemachten Klimawandel. „Noch nie“ hätte es hier einen so warmen Winter gegeben, das wäre jetzt der Beweis für den menschengemachten Klimawandel. „Noch nie“ hätte es hier eine solche Flutkatastrophe gegeben, das wäre jetzt der Beweis für den menschengemachten Klimawandel.

Und die meisten Leser von Zeitungen und auf Facebook und Twitter glauben blindlings an das, was ihnen da aufgetischt wird. Eine solche Geschichtsvergessenheit führt dann dazu, dass man den Leuten alles weismachen kann. Aus diesem Grund möchten wir für ein paar Hintergrundinfos sorgen, indem wir aus verschiedenen Quellen aus alten Chroniken herausgesucht haben:


Schauen Sie einfach selbst:

  • 1022: es war so hei8, „ … dass viel Leut umb Nürnberg auff den Strassen vor großer Hitz verschmachtet und ersticket, auch sein viel Brunen vor großer Hitz versieget.“ (Quelle WELT-Artikel)
  • 1397: An der Ostsee beginnt die Ernte schon im Mai (aus der Rügener Chronik)
  • 1426: Durch die Hitze im Sommer „starben mehr Menschen als durch das Schwert der Feinde” (aus der Rügener Chronik) – Anmerkung: und das in einem Jahr, das klimatisch betrachtet in die kleine Eiszeit fällt!
  • 1509: Dürre ließ Flüsse, Teiche und Brunnen austrocknen (aus der Rügener Chronik)
  • 1540: In diesem Jahr kam der möglicherweise heißeste Sommer des 2. Jahrtausends, der Pegel des Bodensees sank so weit ab, dass die Insel Lindau mit dem Festland verbunden war. Anderenorts trockneten Bäche aus, Flüsse wurden immer schmaler – selbst große Ströme wie Elbe, Rhein und Seine “waren so klein, dass man zu Fuß durchging”, notierten Zeitzeugen (Quelle: Spiegel)
  • 1725: Einem eisigen Winter folgte eine Dürre (aus der Rügener Chronik)

Schauen Sie einfach selbst:

  • 1164: Am 17. Feb. 1164 trifft die „Julianenflut“ auf die Nordseeküste, vermutlich sterben 20.000 Menschen (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1219: Bei der ersten Marcellusflut am 16. Jan. 1219 an der Nordseeküste sterben vermutlich 36.000 Menschen (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1342: Beim „Magdalenenhochwasser“ kommt es durch starke Regenfälle vom 19. bis zum 22. Juli entlang Rhein, Main, Donau, Mosel, Lahn, Weser, Werra, Unstrut, Moldau und Elbe zu so verheerenden Hochwassern und Sturzfluten, dass Erdboden abgeschwemmt wird, teilweise bis auf die Steinverwitterungsschicht, und Schluchten entstehen – in den Städten werden Brücken zerstört und allein in der Donauregion werden 6000 Todesfälle verzeichnet (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1362: Bei der zweiten Marcellusflut (auch „Erste Grote Mandränke“ genannt) am 15./16. Januar 1362 sterben geschätzt 10.000 Menschen, Rungholt geht unter (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1501: Hochwasser an Donau, Elbe und Oder am 15. Aug. 1501 nach rund 10-tägigen Regenfällen – vor allem im Donauraum war es eines der schwersten Flutereignisse des 2. Jahrtausends, aber auch an Elbe und Oder gilt es als ein Ausnahmehochwasser), von den Bergen gingen Schlammfluten ab, das salzburgische Oberpinzgau war „mit großen Wasser- und Schlammmassen überzogen“ (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1613: Am 29. Mai 1613 kommt es an der Saale und ihren Nebenflüssen zur „Thüringer Sintflut“, mehr als 2.200 Menschen sterben (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1625: In Rügen eine Jahrtausendflut mit Wasserständen von 3,50 m bis 3,80 m über normal (aus der Rügener Chronik)
  • 1634: Die Burchardiflut (auch als „Zweite Grote Mandränke“ bekannt) trifft die Nordseeküste am 11. Mai 1634, der Küstenabschnitt „Strand“ geht unter, schätzungsweise 8.000 bis 15.000 Menschen sterben (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1694: Am 10. August fiel in Stralsund Hagel so groß wie Hühnereier (aus der Rügener Chronik)
  • 1703: Ein Orkan riss die Kirchturmspitzen in Gingst und Samtens ab (aus der Rügener Chronik)
  • 1771: In Hamburg kam es am 8. Juli 1771 durch Elbhochwasser zu einer Flut, nachdem die Deiche bei Neuengamme brachen; am 21. Juli 1771 erreichte die Überflutung ihren höchsten Stand am Deichtor unmittelbar außerhalb der Stadt, ehe die Flut wieder zurückwich.(Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1784/85: Das Eishochwasser im Februar/März … der Winter war extrem kalt und schneereich, auf vielen Flüssen bildete sich Eis … zum Winterende wechselte sich Tauwetter mit Frost ab, so dass sich beispielsweise das Eis auf der Elbe bis zu 1,10 m hoch auftürmte. Am 23. Februar setzte plötzlich starkes Tauwetter ein, so dass sich Schmelzwassermassen mitsamt mehrlagig gepacktem Eis in Bewegung setzte. Dieses Hochwasser „verwüstete ganze Talzüge, unzählige Brücken wurden zerstört. Es wird auch als „Jahrhundert-Eisgang“ oder „Eisflut“ bzw. „Winterhochwasser von 1784“ bezeichnet“. (Wikipedia über den Winter_1783/84). Im Bereich von Main und Neckar gab es schwere Schäden, Heidelberg erlebte „das größte Hochwasser in historischer Zeit“, neben der Alten Brücke wurden 39 Gebäude völlig zerstört und weitere 290 beschädigt. In Köln, wo der Normalpegel bei 3,48 Meter liegt, betrug der Pegel 13,55 Meter, die Fluten mit den Eisschollen zerstörten Schiffe im Hafen und die Uferbebauung, mehrere Gebäude stürzten ein.
  • 1845: Die „Sächsische Sintflut“ mit dem Hochwasser der Elbe im März/April 1845 entwickelte sich nach einem sehr schneereichen Winter, nach dem Magdalenenhochwasser von 1342 war es für Sachsen „eine der schwersten Naturkatastrophen aller Zeiten“ (Wikipedia-Eintrag Elbhochwasser_1845), Pirna war zu drei Vierteln überflutet, in Dresden war das ganze Stadtgebiet betroffen, ein Augenzeuge berichtet, „Das Getöse der an den Eisbrechern und Bogengewölbesteinen zerschellenden Häuser, Flöße und Gerüste, deren Langholz wie Tonpfeifenröhren zerbrachen, war fürchterlich und erfüllte die Bewohner der Elbufer mit immer größerem Graus.“
  • 1872: 12./13. November schwere Sturmflut überspült die Insel Hiddensee (aus der Rügener Chronik). Das Ostseesturmhochwasser 1872 richtete aber nicht nur dort schwere Schäden an, es ist das schwerste bekannte Sturmhochwasser in der Ostsee und reichte von Dänemark bis Pommern, bei einem Hochwasserstand von 3,3 m über Normalnull (Wikipedia Ostseesturmhochwasser_1872). Insgesamt kamen mehr als 270 Menschen ums Leben, 2.850 Häuser wurden zerstört oder zumindest stark beschädigt und 15.160 Personen wurden obdachlos.

Schauen Sie einfach selbst:

  • 1186: Im Januar blühten die Bäume, die Vögel begannen zu brüten, Ernte im Mai (aus der Rügener Chronik)
  • 1290: Die Erdbeeren blühen schon im Februar (aus der Rügener Chronik)

Kalendergeschichten zu historisch warmen Wintern

Auch Johann Peter Hebels Kalendergeschichten, die er ab 1803 schrieb, bieten einen breites Fundus an alten Wettereignissen. So schreibt er in der 1808 über warme Winter:

  • Der warme Winter von dem Jahr 1806 auf das Jahr 1807 hat viel Verwunderung erregt, und den armen Leuten wohlgetan; und der und jener, der jetzt noch fröhlich in den Knabenschuhen herumspringt, wird in sechzig Jahren einmal als alter Mann auf den Ofenbank sitzen, und seinen Enkeln erzählen, daß er auch einmal gewesen sei, wie sie, und daß man Anno 6, als der Franzos in Polen war, zwischen Weihnacht und Neujahr Erdbeeren gegessen und Veielein gebrochen habe. Solche Zeiten sind selten, aber nicht unerhört, und man zählt in den alten Chroniken seit 700 Jahren 28 dergleichen Jahrgänge.
  • Im Jahr 1289, wo man von uns noch nichts wußte, war es so warm, daß die Jungfrauen um Weihnacht und am Dreikönigtag Kränze von Veilchen, Kornblumen und andern trugen.
  • Im Jahr 1420 war der Winter und das Frühjahr so gelind, daß im März die Bäume schon verblüheten. Im April hatte man schon zeitige Kirschen, und der Weinstock blühte. Im Mai gab es schon ziemliche Traubenbeerlein.
  • Im Winter 1538 konnten sich auch die Mädchen und Knaben im Grünen küssen, wenn’s nur mit Ehren geschehen ist; denn die Wärme war so außerordentlich, daß um Weihnacht alle Blumen blühten.
  • Im ersten Monat des Jahrs 1572 schlugen die Bäume aus, und im Februar brüteten die Vögel.
  • Im Jahr 1585 stand am Ostertag das Korn in den Ähren.
  • Im Jahr 1617 und 1659 waren schon im Jänner die Lerchen und die Trosteln lustig.
  • Im Jahr 1722 hörte man im Jänner schon wieder auf, die Stuben einzuheizen.
  • Der letzte, ungewöhnlich warme Winter, war im Jahr 1748.

Summa, es ist besser, wenn am St. Stephanstag die Bäume treiben, als wenn am St. Johannistag Eiszapfen daran hängen. 
 


Schauen Sie einfach selbst:

  • 1010/11: Ein außerordentlich strenger Winter mit Eis auf dem Bosporus und dem Nil (aus Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1118: Ein extrem langer Winter: noch im Juni fand man Eis (aus der Rügener Chronik)
  • 1346: Erster Frost im September (aus der Rügener Chronik)
  • 1431 bis 1439: In ganz Europa gibt es in diesen Jahren sehr kalte und lange Winter und nasse Sommer, was zu großen Hungersnöten führte
  • 1451: Im Eiswinter fuhr man mit dem Pferdeschlitten von Stralsund über die Ostsee nach Dänemark (aus der Rügener Chronik)
  • 1530: Sehr kalter und nebliger Sommer, man musste im Sommer jeden Tag heizen (aus der Rügener Chronik)
  • 1607/1608: Der kälteste Winter Europas seit 763/764 (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1643: Am 17. Oktober fiel „ellenhoher” Schnee (aus der Rügener Chronik)
  • 1657/1658: Ein extrem kalter und schneereicher Winter, sogar der Öresund ist gefroren (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1708/1709: Der „Jahrtausendwinter“ gilt als kältester Winter der vorherigen 500 Jahre und traf sogar Länder mit sonst milden Wintern wie Portugal oder Italien – in Italien ist sogar der Gardasee zugefroren! Allein in Frankreich sollen 600.000 Menschen durch die Kälte gestorben sein. Im folgenden Jahr kam es durch die lange anhaltende Kälte (die letzte Frostnacht in Trier war am 7. Juli!) zu Missernten und Hungersnöten in vielen Teilen Europas (Liste Wetterereignisse Wikipedia)
  • 1788/89: Ein weiterer Kältewinter mit strengem Frost, sogar der Rheinfall bei Schaffhausen ist am 5. Januar 1789 zum ersten Mal seit 1708 komplett vereist
  • 1816: Ein Jahr ohne Sommer nach einem Vulkanausbruch in Indonesien (aus der Rügener Chronik)
  • 1892: Dauerfrost von Weihnachten bis Mitte Februar bis minus 30 grad (aus der Rügener Chronik)

Eine Studie des Leibniz-Instituts hat eine Vielzahl historischer Quellen aus Ländern Mitteleurpas von Polen bis Frankreich und Italien ausgewertet, in den es sowohl um regionale als auch städtische Ereignisse ging.

Berichte über historischen Stadtbrände wurden als wichtiger Indikator für Dürren genutzt. „Verwaltungsschriftgut aus Siena (Italien), der Grafschaft Savoyen (Frankreich) und der zugehörigen Region Bresse ließen Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung zu“. Die Daten der Weizen- und Weinproduktion in der französischen Region Bresse wurden mit der Weizenproduktion in England verglichen, um aus klimatischen Faktoren wie Temperatur und Niederschlag das Klima im Produktionsjahr zu ermitteln.

Zu den Ergebnissen gehört unter anderem die Rekonstruktion einer extremen Dürrezeit: Bis 1302 waren die Sommer in Mitteleuropa sehr regenreich. Ab 1304 kamen mehrere sehr trockene, heiße Sommer. Klimageschichtlich war es die stärkste Dürre des 13. und 14. Jahrhunderts. „Auch aus dem Nahen Osten berichten Quellen von großer Dürre. So führte der Nil beispielsweise ungewöhnlich wenig Wasser. Wir denken daher, dass die Dürre 1304–06 nicht nur ein regionales Phänomen war, sondern wahrscheinlich transkontinentale Ausmaße hatte”, so die Forscher.

Die Meteorologie verzeichnet in manchen Phasen einen starken Kontrast zwischen sehr viel Regen in einem Teil von Europa und extrem wenig in anderen Teilen Europas. „Die Ursache dafür liegt meist in stabilen Hoch- und Tiefdruckgebieten, die ungewöhnlich lange in einer Region verharren“. Stabile Tiefs über dem Nordatlantik und Südeuropa führen zu starken Niederschlägen dort, während es in Mitteleuropa dazwischen zu einer extremen Dürre kommt. Anhand der Rekonstruktion muss von 1303 bis 1307 ein stabiles Hoch über Mitteleuropa gelegen haben, was die extreme Dürre in dieser Zeit erklärt. Diese Dürrejahren waren sehr extrem, die nächste Dürreperiode kam von 1360 bis 1362; sie erstreckte sich weit über Mitteleuropa hinaus bis Indien, Japan und Korea.

Wir wissen zwar nicht, wie das Wetter in drei Monaten oder in fünf Jahren sein wird. Aber was wir jetzt schon ganz genau wissen: Sobald es irgendwo wieder extrem heiß, extrem kalt, extrem trocken oder extrem nass ist – die Politiker und Journalisten und die Aktivisten und Freitagshüpfer kennen nur eine einzige Ursache: das ist dieser menschengemachte Klimawandel!

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